Dakota-Straße
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Dakota.
Das Schiff bahnt sich seinen Weg durch die kalten Winterwellen entlang der Westküste. Wir schreiben das Jahr 1888. Die Dakota hat in Hamburg 100 Tonnen Stabeisen geladen und ist auf dem Weg nach Oslo, um Bauholz zu verladen. Am 30. Januar sieht die 22-köpfige Besatzung zu, wie der Schnee um sie herum immer dichter wird. Es dauert bis in die Nacht hinein, und um 4.45 Uhr morgens hört der Ausguck die Wellen brechen. Die Brandung ist voraus. Im selben Moment sieht der Steuermann Land. Er befiehlt dem Rudergänger, das Schiff in den Wind fallen zu lassen.
Doch es ist zu spät. Das Schiff trifft mehrmals auf das Riff, bis es festsitzt. Am 31. Januar läuft die Dakota vor Sdr. Lyngvig auf Grund. Um 6 Uhr morgens nimmt der Kapitän Kontakt mit dem Land auf. Sechs Besatzungsmitglieder rudern gleichzeitig in einem Beiboot an den Strand. Sie haben eine Leine dabei. Das Beiboot kentert, aber alle sechs schaffen es ans Ufer. Nun kann der Rest der Besatzung die Reise mit der Leine vom Schiff zum Strand antreten. Sie klammern sich mit ihren Armen und Beinen an die Leine. Der Kapitän und der Steward verlieren die Kraft, sich festzuhalten, und stürzen ins Meer. Beide Leichen werden gefunden und auf dem Friedhof von Lyngvig begraben.
Die Dakota ist eines der größten Segelschiffe, die auf Holmsland Klit gestrandet sind. Ihre Masten ragen hoch über die Dünenspitzen hinaus, so dass man sie von der anderen Seite des Fjords aus sehen kann.
Ein Monat vergeht, und das Schiff kann nicht geborgen werden. Um den finanziellen Ertrag des Schiffes zu maximieren, wird es am 5. März zum Abwracken versteigert. Die Abwrackung zieht sich bis zum Frühjahr hin. Nur der Rumpf bleibt übrig. Man beschließt, die Naturgewalten zu nutzen und auf einen Sturm zu warten, der das Schiff in zwei Hälften teilt. Der Sturm kommt bereits am 1. Juni. Doch bevor man beide Seiten bergen kann, treibt eine davon aufs Meer hinaus und landet in kleineren Stücken an anderen Stränden. Ein Stück der Schiffswand taucht 1994, 106 Jahre später, in Hvide Sande auf. Heute befindet sich das Holz im Strandingsmuseum St. Georg in Thorsminde.